Praxis

KI-Copilot für Versicherungsvermittler: Schneller dokumentieren, besser beraten

KI-Copilot erstellt einen Beratungsentwurf, der anschließend durch einen Versicherungsvermittler geprüft und freigegeben wird

Versicherungsberatung besteht nicht nur aus dem Gespräch mit dem Kunden. Vorher müssen Unterlagen gelesen, Vertragsstände verstanden und offene Fragen vorbereitet werden. Danach folgen Zusammenfassung, Aufgaben, Dokumentation und häufig mehrere Rückfragen.

Genau in diesen arbeitsintensiven Zwischenräumen kann generative KI entlasten. Sie kann Informationen aus unterschiedlichen Dokumenten strukturieren und aus Notizen einen Entwurf erstellen. Sie kann jedoch weder die persönliche Bedarfsermittlung noch die fachliche Empfehlung verantworten.

Ein sinnvoller KI-Copilot macht den Vermittler nicht unsichtbar. Er gibt ihm mehr Zeit für die Teile der Beratung, bei denen Erfahrung, Einordnung und Vertrauen zählen.

Generative KI ist in der Versicherungswirtschaft bereits angekommen

Die europäische Versicherungsaufsicht EIOPA hat 2025 insgesamt 347 Versicherungsunternehmen aus 25 EU- und EWR-Staaten befragt. Der 2026 veröffentlichte Bericht zeigt: 65 Prozent der Unternehmen setzen generative KI bereits aktiv ein. Viele Anwendungen befinden sich allerdings noch in der Erprobung.

64 Prozent der gemeldeten Anwendungsfälle betreffen interne Backoffice-Aufgaben, 36 Prozent sind kundenbezogen. Besonders aktiv sind Kundenservice, Schadenmanagement sowie Vertrieb und Distribution. Gleichzeitig nennen die Unternehmen fehlerhafte oder erfundene Ausgaben als größtes GenAI-Risiko. Menschliche Kontrolle dominiert deshalb weiterhin.

Für kleinere Vermittlerbetriebe ergibt sich daraus eine realistische Richtung: nicht mit vollautomatischer Beratung beginnen, sondern mit einem internen Assistenten, dessen Ergebnisse vor Verwendung geprüft werden.

Der Copilot rund um das Beratungsgespräch

Vor dem Termin: aus Unterlagen einen Arbeitsstand machen

Policen, Nachträge, Beitragsrechnungen, Fragebögen und E-Mails liegen oft in unterschiedlichen Formaten vor. Ein Copilot kann daraus einen vorläufigen Überblick erstellen:

  • welche Verträge und Risiken erkennbar sind,
  • welche Angaben voneinander abweichen,
  • welche Dokumente fehlen,
  • welche Fristen oder Änderungen genannt werden und
  • welche Punkte im Gespräch geklärt werden sollten.

Wichtig ist das Wort „vorläufig“. Die KI sieht nur die bereitgestellten Unterlagen. Sie kennt weder alle Vereinbarungen noch automatisch den aktuellen Produktstand. Jede Zusammenfassung muss deshalb zu ihren Quellen zurückführen.

Während des Gesprächs: Struktur statt automatischer Empfehlung

Mit aktiver Einwilligung und einem datenschutzkonformen Verfahren kann ein Gespräch transkribiert oder anhand strukturierter Notizen zusammengefasst werden. Der Copilot kann Themen, Kundenangaben, offene Fragen und zugesagte nächste Schritte ordnen.

Er sollte jedoch nicht unbemerkt die Gesprächsführung übernehmen. Besonders problematisch wäre eine spontane Produktempfehlung, die auf unvollständigen Angaben, veralteten Bedingungen oder einer plausibel klingenden Erfindung beruht.

Nach dem Termin: ein Entwurf, keine fertige Beratungsdokumentation

Aus freigegebenen Notizen kann die KI einen Entwurf für Gesprächszusammenfassung, Aufgabenliste und Dokumentation erstellen. Der Vermittler prüft anschließend mindestens:

  • Sind Kundenwünsche und Bedarf korrekt wiedergegeben?
  • Ist die Begründung der Empfehlung individuell und nachvollziehbar?
  • Sind Alternativen und erkennbare Nachteile angemessen dargestellt?
  • Stimmen Produktbezeichnungen, Zahlen, Fristen und Bedingungen?
  • Wurden Aussagen ergänzt, die im Gespräch nicht gefallen sind?

Warum die Verantwortung nicht automatisiert werden darf

Artikel 20 der Versicherungsvertriebsrichtlinie verlangt, dass der Versicherungsvertreiber auf Grundlage der vom Kunden erhaltenen Informationen dessen Wünsche und Bedürfnisse bestimmt. Wird beraten, ist eine persönliche Empfehlung zu geben und zu erläutern, warum ein bestimmtes Produkt diese Wünsche und Bedürfnisse am besten erfüllt.

Eine sprachlich perfekte KI-Zusammenfassung beweist noch nicht, dass der Bedarf vollständig erfasst oder die Empfehlung geeignet ist. Der fachlich Verantwortliche muss die Verbindung zwischen Kundenangaben, Analyse und Empfehlung selbst nachvollziehen können.

Auch die EIOPA betont bei KI-Systemen unter anderem Datenqualität, Dokumentation, Fairness, Cybersicherheit, Erklärbarkeit und menschliche Aufsicht. Diese Prinzipien passen gut zu einem Copilot-Modell: Die KI bereitet Arbeit vor, aber die Freigabe bleibt sichtbar und personengebunden.

Je näher eine KI-Ausgabe an eine individuelle Produktempfehlung, Risikobewertung oder Preisentscheidung rückt, desto höher werden fachliche und regulatorische Anforderungen. Der konkrete Einsatz muss vor Einführung rechtlich und organisatorisch geprüft werden.

Ein belastbarer Copilot braucht Quellen und Grenzen

Ein allgemeines Sprachmodell kennt nicht automatisch die im Betrieb gültigen Produktunterlagen, Arbeitsanweisungen oder aktuellen Vertragsbedingungen. Ein produktiver Copilot sollte deshalb mit freigegebenen Wissensquellen arbeiten und Aussagen möglichst auf konkrete Fundstellen zurückführen.

In der Praxis bewährt sich eine klare Trennung:

  1. Kundendaten: Angaben und Dokumente aus dem konkreten Vorgang.
  2. Freigegebenes Fachwissen: aktuelle Bedingungen, Leitfäden und interne Vorgaben.
  3. KI-Entwurf: sichtbar als automatisch erzeugter Arbeitsstand markiert.
  4. Menschliche Prüfung: Korrektur, Ergänzung und dokumentierte Freigabe.

Fehlt eine Quelle oder widersprechen sich Dokumente, darf der Copilot die Lücke nicht mit einer Vermutung schließen. Er muss sie als offene Frage ausgeben.

Datenschutz beginnt vor dem ersten Upload

Versicherungsunterlagen können besonders sensible Informationen enthalten, etwa zu Gesundheit, Finanzen oder familiären Verhältnissen. Vor einer Verarbeitung durch KI sind deshalb Zweck, Rechtsgrundlage, Datenumfang, Anbieter, Speicherort, Löschfristen und Zugriffsrechte zu klären.

Für viele Aufgaben lässt sich der Datenumfang reduzieren. Ein Copilot zur Strukturierung einer Aufgabenliste benötigt nicht zwingend die vollständige Gesundheitsakte. Test- und Schulungsfälle sollten, wo möglich, anonymisiert oder mit synthetischen Daten aufgebaut werden.

So kann ein Vermittlerbetrieb sinnvoll beginnen

Ein guter Pilot startet mit einer internen, risikoarmen Aufgabe. Geeignet ist beispielsweise die Vorbereitung eines Bestandskundentermins aus bereits freigegebenen Dokumenten. Der Ablauf kann in fünf Schritten aufgebaut werden:

  1. eine klar abgegrenzte Dokumentart und Beratungsphase wählen,
  2. Pflichtquellen und Prüfkriterien festlegen,
  3. Ausgaben als Entwurf kennzeichnen,
  4. jede Verwendung an eine menschliche Freigabe binden und
  5. Zeitgewinn, Fehler, Nacharbeit und Akzeptanz messen.

Erst wenn der Pilot zuverlässig funktioniert, können weitere Dokumentarten oder Prozessschritte hinzukommen. Kundenkommunikation und Produktempfehlungen sollten später und mit strengeren Kontrollen folgen.

Fazit: mehr Beratungszeit durch kontrollierte Assistenz

Ein KI-Copilot kann Versicherungsvermittler spürbar entlasten: weniger Zeit für das Sichten von Unterlagen, schnellere Nachbereitung und konsistentere Arbeitsstände. Der wirtschaftliche Nutzen entsteht aber nur, wenn die Qualität der Beratung nicht hinter der Geschwindigkeit zurückbleibt.

Die tragfähige Rollenverteilung ist eindeutig: Die KI dokumentiert, strukturiert und formuliert. Der Mensch fragt nach, bewertet, empfiehlt und entscheidet.

Wo entsteht in Ihrem Beratungsprozess heute die meiste Nacharbeit? peistrup24 entwickelt gemeinsam mit Vermittlerbetrieben begrenzte Copilot-Workflows mit freigegebenen Quellen, nachvollziehbaren Prüfungen und klarer menschlicher Verantwortung.


Quellen und weiterführende Informationen

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